Die Inflationswelle rollt an

Die Anleger feiern unbekümmert eine rauschende Party: Ob Aktien, Anleihen, Rohstoffe oder Kryptowährungen, alles wird gekauft, alles steigt.  Riesige spekulative Sandburgen werden  aufgetürmt.  Doch hinten am Horizont rollt eine gewaltige Welle heran, welche droht, all die Fantasieprodukte hinweg zu spülen: Die Inflation kommt zurück. Haben Sie in den letzten Wochen versucht, ein neues Fahrrad zu kaufen?  Oder  Zubehör  dazu?  Ausverkauft,  nicht  lieferbar,  steigende Preise:  Willkommen  in  der  neuen  Welt  von  Corona-Lockdowns  und staatlichen Stimulusprogrammen mit der Notenpresse. Die Containerpreise  für  Schiffstransporte  aus  China  haben  sich  in  Jahresfrist  glatt verfünffacht. Die Stahlpreise haben sich fast verdoppelt. Die Hersteller kommen mit der Produktion nicht nach. Gemäss dem Online-Händler Galaxus sind manche Hersteller bis 2023 ausgebucht. Praktisch in allen Branchen haben die Einkaufsmanager mit Knappheit und steigenden Preisen zu kämpfen: Der ISM-Index für bezahlte Preise in den USA stieg im Januar auf 82,1 Punkte, ein absoluter Spitzenwert. Ein Wert von 50 ist neutral, ein Wert von 60 zeigt eine ordentliche Expansion  der  Wirtschaft  an. Und  dabei  hat  der  grosse  Wiedereröffnungsboom der meisten Volkswirtschaften noch nicht einmal begonnen. Die   Rohstoffpreise   steigen und   steigen   trotz   zwischenzeitlicher Corona-Delle,  nicht  nur  für  Stahl  und  zukunftsträchtige  Metalle der Energiewende wie Kupfer oder Nickel.

Sondern auch für Lebensmittelwie Getreide oder Speiseöl: Der globale Food Price Index der  UNO  kletterte  in  den  letzten  zwölf  Monaten  um  10,5 %  nach oben. Bereits warnt die Organisation vor neuen politischen Unruhen, die sich in der Vergangenheit in vielen Ländern bei ähnlich steilen Preisanstiegen ergeben haben.

Auch  an  den  Finanzmärkten  steigen  die  Inflationserwartungen: Bei 2.2% sind  die  aus dem  US-Anleihenmarkt  abgeleiteten  Inflationsprognosen  für  die  nächsten  zehn  Jahre nun angelangt, der höchste Stand seit 2014. Der Deutsche Anleihenmarkt zeigt derzeit etwas über 1% Teuerung an. Das wären nur moderate Preisanstiege,  welche der Aktienmarkt wohl gut wegstecken könnte. Doch auf Grund der Rohstoff- und Frachtpreise sowie Schätzungen über die Output-Lücke und dem massiven Anstieg der Geldmenge M2 rechnen manche Experten mit Inflationsraten  von  5%  oder  gar  10%  in  diesem Frühjahr,  wenn  die  Vorjahrsvergleiche auf Grund der Delle aus den ersten Lockdown-Welle plötzlich ungünstig ausfallen. Halt, mag jetzt manch einer einwenden, wir sind immer noch im teilweisen Lockdown und die Arbeitslosigkeit steigt –kann es da zu anhaltender Inflation kommen? Natürlich kann es das, dafür braucht man nur in die Stagflation der 1970er Jahre oder aktuell auf Länder wie Argentinien, Venezuela oder die Türkei zu schauen: Hohe Arbeitslosigkeit und hohe Teuerung gehen Hand in Hand, wenn eine Wirtschaft strukturelle Defizite hat und gleichzeitig der Staat versucht, alle Probleme mit frisch gedrucktem Geld zu lösen. Dieses Rezept kommt uns auch in Mitteleuropa inzwischen bekannt vor. Ganze Sektoren sind  auf  Grund fragwürdiger staatlicher  Massnahmen  stillgelegt  und  werden  mit  Geld aus der Notenpresse dafür entschädigt, nichts zu produzieren und keine Dienstleistungen anbieten zu dürfen. Das ist der Weg zu mehr Inflation wie aus dem Lehrbuch. Einzig die Restriktionen beim Konsum und Reisen dämpfen momentan noch die Preisanstiege, während sich das Geld auf den Bankkonten der Leute türmt.
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aus Quantex Werte, erschienen Mitte Februar 2021

 

HWM Urteil: Im Moment scheint es so, als könnte die Inflation in wenigen Monaten wieder  angsteigen. So sind die Preise für die Vorprodukte wie Stahl, Nickel oder  Kupfer bereits deutlich gestiegen und auch die Lebensmittelpreise haben einen positiven Trend. Anleger sollten jetzt sicherheitshalber ihr Portfolio auf anziehende Inflationsraten vorbereiten. Sprechen Sie mit uns.