Die demographische Wende – Kommt jetzt Inflation?

Die langsame Normalisierung des Wirtschaftslebens nach Corona lässt einen Mangel an Gütern und Arbeitskräften zu Tage treten. Private wie auch Unternehmen haben viel Geld, aber sie können nicht alles kaufen. Die Rückkehr der Inflation kündigt sich an. Dahinter steht eine fundamentale Trendwende, nicht nur bei der Fiskalpolitik, sondern auch bei der Demographie: In allen westlichen Ländern und sogar in China schrumpft die arbeitsfähige Bevölkerung.

Die US-Wirtschaft steuert dank hoher Impfquote mit Vollgas auf die Wiedereröffnung zu. Die Einkaufs-Manager Indices notieren auf dem höchsten Stand seit dem Reagan Boom von 1983. Doch es gibt zwei Probleme: Die Einkaufspreise steigen rasant und Personal ist schwierig bis unmöglich zu finden. Ganze 42% aller kleinen und mittleren Betriebe vermelden offene Stellen, die sie nicht besetzen können. Das ist der Höchststand in der Umfrage seit 1973. Analysten in den USA erzählen von einem Wald von „help wanted“ Schildern in jeder Nachbarschaft.

Medien berichten bereits von 1.500 Dollar und mehr Unterschriftsbonus selbst für Fabrikarbeiter oder Trucker. Die unmittelbare Ursache dürften die 300 Dollar Extrazahlungen pro Woche für Arbeitslose sein, welche die Biden-Regierung als Notmaßnahme bis September verlängert hat. Gerade für einfache Arbeiter und Angestellte ist es damit attraktiver, zu Hause zu bleiben. Wegen den Corona-Notverordnungen müssen sie deshalb auch keine Kürzung ihrer Arbeitslosengelder befürchten, wenn sie Stellenangebote ablehnen. Doch schon vor der Corona-Krise machte sich in den USA ein zunehmender Mangel an Arbeitskräften bemerkbar.

Amerika wird den noch weitgehend im Lockdown verharrenden Europa in den nächsten Monaten vorführen, wohin die Reise nach Ende der Pandemie geht. Führen die extremen staatlichen Fiskaldefizite – die höchsten seit dem zweiten Weltkrieg – zu einem permanenten Anstieg der Teuerung? Bis jetzt deuten alle Anzeichen darauf hin.