Inflation – Kann die EZB die Preisniveaustabilität sichern?

Über Paul Volcker wurde in den Wirtschaftsmedien in den letzten Wochen viel berichtet. Anfang der 80er Jahre bekämpfte er erfolgreich die Inflation in den USA, indem er die Zinsen zeitweise auf mehr als 20% anhob – Die Inflationsraten waren damals über viele Jahre gestiegen, auf bis zu 15%, auch weil die Fed vor Volcker sehr lange sehr zögerlich war.

Es verwundert nicht, wenn sich manch ein Sparer oder eine Sparerin in Deutschland auch einen Notenbanker vom Schlag eines Paul Volckers wünscht, der die Zinsen über die Inflationsrate setzt, dies wären aktuell etwa neuen Prozent.

Doch Christine Lagarde, die derzeitige Chefin der EZB, hat ein Problem. Selbst wenn
sie wollte, könnte sie die Zinsen nicht in diesem Ausmaß erhöhen, da viele europäische Staaten hochverschuldet sind. Spitzenreiter beim Schuldenmachen sind
Italien mit ca. 150% des BIP und Griechenland mit knapp 200% des BIP. Im Großen und Ganzen bedeutet das: Die Schulden müssen bezahlt werden, ohne dass die Schuldner irgendwann unter der Last zusammenbrechen. Das geht nur, wenn die Schulden bezahlbar bleiben, also der Zins vergleichsweise niedrig bleibt. Was würde wohl in vielen Eurostaaten passieren, wenn die EZB den Leitzins auf drei, vier oder fünf Prozent anheben würde.

Was passiert mit einem Unternehmer oder einem Häuslebauer, der in Kürze sein Darlehen verlängern muss. Seit Jahresanfang sind die 10-jährigen Hypothekenkonditionen bereits von unter 1% bis auf knapp 3% (ca. 6 Monate) angestiegen.

Paul Volcker bekämpfte mit dem energischen Zinsanstieg Anfang der 80er Jahre die Inflation. Damals lag die Verschuldung der USA allerdings nur bei 30% des BIP, also sehr niedrig. Die Folgen waren aufgrund der niedrigen Verschuldung eine relativ milde Rezession. Im hochverschuldeten Europa wären die Konsequenzen dieser Maßnahme eine schwere Wirtschaftskrise mit unkalkulierbaren Folgen.

HWM Urteil: Wir erwarten, dass die EZB die Zinsen nur in kleinen Schritten moderat erhöhen wird, um eine Rezession möglichst zu vermeiden. Die Inflation dürfte uns bei dieser Politik der kleinen Schritte langfristig erhalten bleiben. Für den Staat selbst ist eine höhere Inflationsrate nicht unbedingt nachteilig, diese kann vielmehr dazu beitragen, die relative Staatsverschuldung zu reduzieren. Denn für den Staat bedeutet Inflation auch immer kontinuierliche Steuermehreinnahmen. Wenn der Verschuldungsquotient des Staates auf ein erträgliches Maß zurückgeführt wurde, könnte in einigen Jahren eine neue Generation von Notenbankern den Zinssatz über die Inflationsrate setzen, um unser Geldsystem neu zu verankern. So könnten Sparer in ferner Zukunft bei ihren Sparanlagen wieder mit einem positiven Realzins rechnen. Doch einen solchen Prozess kann die Politik erst einleiten, wenn es der mehrheitliche Wunsch der Bevölkerung ist. Alles andere wäre politischer Selbstmord.